gestern im Kreistag wurde es seit langem einmal wieder voll auf den Gästeplätzen. Etliche Freunde des Erinaceus europaeus oder auch schlicht Igel genannt, haben den Weg ins Rendsburger Kreishaus gefunden um an der Sitzung des Umwelt- und Bauausschusses teilzunehmen. Es ging darum ein deutliches Signal zu setzen, den inzwischen bedrohten Igel besser zu schützen.
Genauer gesagt ging es um einen Antrag der SPD Fraktion für einen Erlass einer „Allgemeinverfügung zum Verbot der nächtlichen Inbetriebnahme von Mährobotern zum Schutz wildlebender Tiere im Gebiet des Kreises Rendsburg-Eckernförde“.
Das ganze klingt zwar etwas sperrig, würde aber dafür sorgen, dass der Einsatz von Mährobotern des nachts rechtlich verboten wäre. Denn Mähroboter stellen vor allem in den Abendstunden und in der Nacht eine tödliche Gefahr für Igel dar. Von traurigen Fakten berichteten der Igel und Wildtierhilfeverein Eckernförder Bucht e.V. in ihrem Vortrag, und auch etliche Wortmeldungen von Päpplern und Intensivpflegern für Igel erzählten von den zahlreichen Fällen mit schlimmen Verletzungen durch den Einsatz von Mährobotern. Dabei steht in allen Betriebsanleitungen dieser Mähroboter, dass ein Betrieb sorgfältig zu erfolgen hat.
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Das die Union im Kreis nun lediglich eine Informationskampagne für alle Haushalte möchte, wundert mich nicht. Dass aber auch die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen gegen diese Allgemeinverfügung sind, und mit der CDU gegen den Antrag stimmte, empört mich schon sehr.
Es scheint so, als ob der Natur und Artenschutz in den letzten Jahren hier im Kreis geradezu überbetont wurde. Eher nicht, wenn ich da so an das Verbot von Schottergärten (§8 LBO) oder den Knickfrevel (Knickschutzverordnung Kreis RD-ECK) denke. Und nun möchte man sich auch dem Schutz des Igels verweigern. Ich hab da sonst keine Erklärung für, warum die Grünen im Kreis gestern gegen eine Allgemeinverfügung gestimmt haben. Zumal die Co-Fraktionvorsitzende Kirsten Zülsdorff doch ihre Stimme bei der Online-Petition für ein Nachtfahrverbot im Landtag gegeben hat. Das irritiert mich gleich doppelt.
Wir möchten daher hier an alle Mitglieder der Kreistagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen Rendsburg- Eckernförde appellieren, Verantwortung für mehr Artenschutz zu übernehmen, und sich nicht nur mit einer leeren Informationskampagne zufrieden zu geben, sondern sich für echten Tierschutz einzusetzen.
Da bekommt das Wort „Eigenverantwortung“ doch gleich eine ganz eigene Bedeutung.
Wir von Bündnis.Wittensee. haben übrigens bereits vor zwei Jahren einen Antrag für ein Nachtfahrverbot in den Gemeinderat in Groß Wittensee eingebracht. Die Stellungnahme dazu kam von der Amtsverwaltung, in der sie mitteilte, dass das vor Ort nicht möglich sei. Das müsste vom Land oder Bund kommen. Das dies nicht stimmt, sieht man ja hier an der Möglichkeit eine Allgemeinverfügung für das Kreisgebiet zu erlassen. Nachdem in NRW einige Städte und z.B. der Kreis Mettmann solche Verfügungen erlassen haben, habe ich im letzten Jahr eine Email an die Kreisverwaltung in Rendsburg geschickt, mit der Bitte sich mit dem Thema zu beschäftigen. Nun auf eine Antwort aus dem Kreis warten wir bis heute.
Dabei bräuchte es noch nicht einmal einen Beschluss vom Kreistag für solch eine Verfügung, sondern nur den Mut und den Willen, Artenschutz endlich verantwortungsvoll ernst zu nehmen.
In der gestrigen Sitzung hat sich einmal wieder gezeigt, wie wenig logisch man mitunter mit kommunalpolitischen Entscheidungen umgeht. So hätte eine Kombination aus beiden Anträgen eine klassische Win-Win Situation ergeben.
Nachtfahrverbot + Informationskampagne = echter Artenschutz.
Wir setzen uns natürlich weiterhin für ein Nachtfahrverbot für Mähroboter ein, und möchten hier nochmal für die Petition im Landtag werben. Die Igel im Kreis werden es euch danken!
Petition Igelschutz in Schleswig-Holstein – Nachtfahrverbot für Mähroboter



